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Die geistige Beziehung

Geistige Beziehung und Freundschaft

Die geistige Beziehung ist auch die Basis von Freundschaft. Man stimmt in Vielem überein, plant gemeinsame Aktivitäten und ist füreinander da. Die Freundschaft ist eine wichtige Komponente einer Ehe. Bei manchen Ehen ist es das, was übrig bleibt, wenn die körperliche Attraktivität zurück geht und das kann ein Leben lang halten.

Hierbei ist zu beobachten, dass in manchen Beziehungen die Außenfreundschaften beendet werden oder zu Ende gehen, weil die Partner „alles“ füreinander sein wollen oder der Partner nicht mit den alten Freunden seiner Partnerin kann. Dieser Verzicht ist später nur schwer zu korrigieren, weil sich die alten Freunde abgewendet und neuen Freunden zugewandt haben. Ich halte es für wichtig, dass jeder der Partner auch seine eigenen Freundschaften weiter pflegt.

 

Finde ich den Geist eines anderen Menschen attraktiv, so mag ich die Art, wie er denkt, wie er fühlt und wie er sich ausdrückt. Eine solche Beziehung ist möglich, ohne jede Körperlichkeit, ja sogar, wenn die Partner sich nie gesehen haben und z.B. nur einander schreiben oder miteinander telefonieren. Die Qualität bleibt, in der Terminologie von Buber auf der Ebene der ICH – ES – Beziehung.

 

Was mir an dem Anderen gefällt (und damit meine Auswahlkriterien) hat auch viel mit gesellschaftlichen Standards zu tun, z.B. damit, dass wir derselben Wertegemeinschaft angehören. Das bedeutet, dass wir darin übereinstimmen, was wir gut und schlecht finden.

 

Hinzu kommen natürlich auch persönliche Vorlieben, die oft mit den Prägungen unserer Kindheit zu tun haben. Dazu gehören der Wunsch nach Harmonie oder die Vorliebe für Auseinandersetzungen. Manche wollen lieber in der mächtigen Position sein (Oben) andere fühlen sich wohler, wenn sie in der ohnmächtigen Position sind (Unten). Hauptsache man fühlt sich sicher.

 

Die Beziehung muss auch nicht auf der gleichen Ebene stattfinden, wo nur gleich berechtigte und befähigte Partner zusammen kommen. So können geistige Beziehungen auch zwischen Professorin und Student entstehen, wie auch zwischen einem Chefarzt und der Krankenschwester.

 

Ich nenne diese Verbindung dynamisch. Sie lebt davon, dass etwas passiert, dass ausgetauscht wird. Meinung gegen Meinung, Angebot gegen Nachfrage. Die Nahrung dieser Beziehung ist die Kommunikation. Es geht um Mitteilungen, wie es einem geht, welche Pläne und Wünsche man hat, welche Gedanken. Verringert sich der Austausch oder endet er ganz, dann „verhungert“ auch die geistige Beziehung.

Solange also der Austausch stattfindet (und mit wachsendem „Umsatz“ umso besser) ist eine geistige Verbindung sehr stabil.

 

Bei Beziehungen, die scheitern ist es oft so, dass der Austausch zurückgeht. Haben die beiden am Anfang noch über alles miteinander geredet, werden die Gespräche nun kürzer bis zum Schluss nur noch sporadisch alltägliche Dinge ausgetauscht werden. Dies oft nur noch aus dem Bereich, in dem Mangel herrscht, wie z.B. „Mir wird es allein mit den Kindern zu viel!“, „Ich bekomme nicht mehr, was ich haben will!“ oder „Wir haben zu wenig Geld, Zeit, Urlaub, Freunde, Sex, Liebe...“ Besonders wichtig ist es zu sehen, dass es beim Aspekt der geistigen Beziehung um den Austausch geht. Dabei ist wichtig, dass Nehmen und Geben ausgeglichen sind, auch wenn der Umsatz sehr gering ist. Sonst bekommt die Beziehung eine Schieflage, auf der sie in die Tiefe stürzen kann.

 

Viele Paare geben sich mit einer Verbindung auf den ersten beiden Ebenen zufrieden. Solche Ehen können gut funktionieren, solange die Attraktivität bleibt und der geistige Austausch miteinander ausgeglichen fließt. Verlieren die Partner die körperliche Anziehung und/oder findet kein Austausch mehr auf der geistigen Ebene statt, endet die Freundschaft, dann ist auch meist die Beziehung am Ende. Die Quelle der Beziehung ist versiegt.

 

„Leider“ haben wir als Menschen das Prinzip „Hoffnung“ und können dadurch sehr lange vor einer versiegenden und sogar versiegten Quelle aushalten. Wir glauben, dass es wieder kommen wird, das Glück, weil es doch mal hier war.

 

Das Prinzip „Hoffnung“

Um das Ungute an der Hoffnung zu zeigen, möchte ich von einem Experiment berichten. Hierbei werden Ratten mit Menschen verglichen. Der Versuchsaufbau sieht wie folgt aus: In einem Raum sind 10 Türen. Hinter der 4. Tür ist etwas zu essen. Nun wird die Ratte hineingelassen. Was tut sie?

Sie geht zuerst in die Tür 1, dann Tür 2, dann Tür 3 und in Tür 4 findet sie das Futter und frisst es .Was macht der Mensch? Genau das Gleiche.

Nun wird der Versuchsaufbau geändert. Das Futter kommt nun hinter die 8. Tür. Was macht die Ratte?

Die Ratte geht zuerst zur Tür 4, findet aber nichts. Dann beginnt sie vorn und geht in Tür 1,2,3,5,6,7 und findet hinter der Tür 8 das Futter.

Was aber macht der Mensch? Er geht zu Tür 4 und findet nichts. Dann geht er wieder zur Tür 4 und findet nichts und so weiter. Im Gegensatz zur Ratte hat der Mensch „Hoffnung“ dass es dort wieder was gibt, wo es das einmal gegeben hat.