Allgemein

Nun haben wir in unserem Kulturkreis das Problem, und ich glaube hier liegt ein Hauptgrund dafür, dass Beziehungen scheitern, dass uns niemand sagt und zeigt, wie man eine Beziehung leben kann, so dass sie wohltuend, liebevoll, respektvoll und befriedigend ist. Ich habe in der Schule zum Beispiel das Wurzelrechnen gelernt. Aber in meinem Leben habe ich diese Fähigkeit niemals wirklich gebraucht.

Was ich aber schmerzhaft entdecken musste ist, dass ich nicht gelernt habe, wie man einen anderen Menschen liebt. Zunächst dachte ich, man schenkt der Geliebten all die Dinge, die man selbst gern mag. Aber irgendwann hat meine Freundin gesagt, dass sie keine Pralinen mag und schon gar nicht die mit Alkohol und Nüssen!

 

Als ich mich nach Paaren umschaute, von denen ich meinte, die haben es raus, fand ich keine. Ich selbst hatte als Modell nur meine Eltern kennen gelernt. Ich habe viel von ihnen gelernt, aber auch nur durch Beobachten und Nachahmen. Darüber geredet, wie sie ihre Ehe hinbekommen, haben wir nicht. In Gesprächen mit meinen Freunden und Freundinnen musste ich entdecken, dass sie genau dieselben Fragen hatten wie ich. Ganz schwierig wurde es bei Fragen zur Sexualität. Auch hier wurde mir nichts vermittelt (auch nicht in der Schule) und ich habe auch mit niemandem wirklich darüber reden können. Die Informationen, die ich bei Beate Uhse kaufen konnte, haben mir auch nicht geholfen, zu verstehen, was Sexualität zwischen zwei Menschen, die sich lieben, eigentlich und wirklich ist.

 

In meiner Arbeit als Paartherapeut habe ich erfahren, wie sehr gerade dieser Bereich über das Gelingen oder Scheitern einer Beziehung mit entscheidet. Da gibt es viel Not und wenig Platz, sich Informationen zu holen oder sich ausbilden zu lassen, ein guter Liebhaber, eine gute Liebhaberin zu werden. Bei vielen Paaren gibt es am Anfang noch viel Entdeckerfreude und Offenheit, auch über Sexualität zu reden. Aber im Laufe der Zeit ritualisiert sich das Verhalten, d.h. es wird in immer gleichen Abläufen gelebt und so gut wie nicht mehr dabei oder darüber gesprochen.

 

Der Alltag holt das Paar ein, es gibt viel zu tun. Dann kommen Kinder. Wie sich das anfühlt, hatte mir auch niemand gesagt. Natürlich ist es wunderschön und wunderbar. Die Freude und das Glück ein Kind zu haben, sind übermächtig und riesengroß.

 

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Aber ein Kind zu haben ist auch eine große Belastung. Es fehlt an Schlaf, an Kraft und Zeit. Die Zeit, die das Paar füreinander hat, wird immer weniger. Manche Männer erleben es als sehr schmerzhaft, dass sich ihre Frau nunmehr „nur noch“ um das Kind und nicht mehr um sie kümmert. Das Kind im Mann will auch versorgt, getröstet und geschmust werden. Dann wird das Kind plötzlich zum Rivalen. Der mögliche Schritt, insbesondere für Männer, nun mit einem eigenen Kind erwachsen zu werden, wird von vielen nicht genutzt. Manche reihen sich bei den Kindern ein und übernehmen nicht die Verantwortung, die nun auf sie zukommt, nämlich Mann und Vater zu sein und so fehlt ihnen dann auch das Glück, das nur daraus erwachsen kann, dass die neue Rolle angenommen wird.

Ich habe viele Frauen gehört, die sich mit einem Kind sehr allein gefühlt haben, denen ein Erwachsenen-Kontakt fehlt, die den Schutz entbehren müssen, in dem sie sich der Entwicklung des Kindes widmen können und die neue Rolle lernen können. Manche Frauen haben dann auch noch übersteigerte Vorstellungen davon, wie eine „gute Mutter“ sein sollte und quälen sich damit, dass sie ihre eigenen Maßstäbe nicht erreichen. Väter ziehen sich dann zurück in ihre eigene Welt und sind dort auch nicht glücklich. Aber wie ein Paar ein Kind „verkraften“ kann und sogar durch das Kind seine Beziehung vertiefen und beleben kann, wie man also gemeinsam miteinander glücklich wird, das erfahren wir nicht und wir wissen auch nicht, wen wir danach fragen können.

 

Und dies alles, obwohl wir seit hunderttausenden von Jahren Erfahrungen mit Beziehungen haben. Aber diese werden nicht weiter gegeben. Wenn ein Paar nun in dieser Unwissenheit weitermacht, entstehen Frustrationen. Sie werden ärgerlich, wissen aber eigentlich nicht genau, was los ist und woran es liegt.

 

Kaum ein Paar holt sich in dieser Situation Hilfe von außen. Viele denken, sie können die Probleme allein lösen, andere glauben nicht, dass jemand helfen kann, aber so passiert es immer häufiger, dass sie einander verletzen. Direkt oder indem sie fremdgehen und sehen, dass es mit einem anderen Partner (scheinbar) viel besser läuft. Wenn diese Verletzungen ein bestimmtes Maß überschritten haben, dann gibt es für die meisten keinen Weg mehr zurück. Oft spüren die Frauen dies zuerst, aber selten sprechen sie es aus. Dann beginnt die Trennung, zunächst innerlich und später auch äußerlich.

 

Zur Betrachtung von Paarbeziehungen wollen wir einen kleinen Exkurs machen:

Wir alle sind Körper, Geist (unser Verstand, unsere Geschichte und Visionen) und Seele (gemeint als unser höheres Selbst, als Kinder Gottes). Eine Begegnung kann auf jeder dieser Ebenen oder Aspekte oder auf mehreren davon stattfinden.

 

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